QualiBack
 
Berufsbegleitend zur Fachkraft: Nachqualifizierung am Beruflichen Schulzentrum Odenwaldkreis
 
Berufserfahrung, aber keinen Berufsabschluss? „QualiBack“ ist die Antwort!
 
Markus Enders, Schulleiter der Beruflichen Schulen Untertaunus, und Hans-Ulrich Daab, Projektleiter des Schulmodellprojekts QualiBack, sind stolz auf die ersten Absolventen/innen an den Beruflichen Schulen Untertaunus, die sich als Beschäftigte zur Fachkraft nachqualifizierten. „Im Januar konnten die ersten beiden Teilnehmenden erfolgreich ihre Externen-Prüfungen zur Kauffrau im Einzelhandel und zum Metallbauer der Fachrichtung Konstruktionstechnik ablegen.“ berichtete Herr Enders. Dieser Ansatz, in dem Beschäftigte in Beruflichen Schulen nachträglich zur Fachkraft qualifiziert werden, ist deutschlandweit einmalig. Hessen kommt dabei eine Vorreiterfunktion zu.
 
Das Modellprojekt QualiBack wurde im letzten Jahr zum ersten Mal durch das Hessische Kultusministerium als Schulversuch genehmigt und dadurch wurde ein Weg geebnet, der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ohne Berufsausbildung die Chance bietet, einen Berufsabschluss zu erwerben, während sie weiter ihren Beruf ausüben können.
 
Ziel der Nachqualifizierung ist die erfolgreiche Teilnahme an einer Externen-Prüfung der Handwerkskammer oder der Industrie- und Handelskammer für den jeweiligen Ausbildungsberuf. Die Externen-Prüfung kann prinzipiell von allen Personen abgelegt werden, die das 27. Lebensjahr erreicht haben und die über eine nachgewiesene Berufserfahrung verfügen. Die nachzuweisende Berufspraxis beträgt dabei immer das Eineinhalbfache der normalen Ausbildungsdauer, für dreijährige Ausbildungsberufe wären das dann mindestens viereinhalb Jahre nachzuweisende Berufspraxis.
 
Ausbildungszeiten aus anderen Ausbildungsberufen, eine höhere schulische Allgemeinbildung, ausländische Bildungsabschlüsse sowie Zeiten der Berufstätigkeit im Ausland können eventuell ebenfalls angerechnet werden.
Der erste Vorteil von QualiBack liegt darin, dass die Teilnehmer im Rahmen des regulären Berufsschulunterrichtes – nach Feststellung ihrer Kompetenzen durch die zuständige Berufliche Schule – mit sehr individuell zugeschnittenen Lehrplänen auf diese Prüfung vorbereitet werden.
 
Der zweite Vorteil von QualiBack ist im zeitlichen Rahmen zu sehen. Da die Schule bereits vorhandene Fachkenntnisse der Teilnehmer berücksichtigt, ist im individuellen Fall ein erfolgreicher Abschluss sehr schnell zu realisieren.
 
QualiBack wird aktuell vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung im Rahmen der Initiative ProAbschluss unterstützt. Die Prozessbegleitung hat das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft übernommen. Das Projekt Quali_IN – Nachqualifizierung initiieren und vernetzen – unterstützt den Schulversuch QualiBack, indem es gezielt Unternehmen und deren Beschäftigte auf die Nachqualifizierung aufmerksam macht sowie die Ergebnisse sichert.
 
Am Beruflichen Schulzentrum Odenwaldkreis (BSO) läuft der Schulversuch seit Dezember 2014, die ersten Teilnehmer beginnen ihre Nachqualifizierung im Sommer 2015.
 
An den Beruflichen Schulen Untertaunus (BSU) startete das Modellprojekt bereits zum Schuljahresbeginn 2013-2014, und so können sie bereits mit ersten positiven Ergebnissen aufwarten: Zwei Teilnehmer haben sich im Berufsschulunterricht gemeinsam mit Auszubildenden auf die Prüfung vor den zuständigen Kammern vorbereitet und diese in weniger als sechs Monaten erfolgreich abgelegt. Die heutige Kauffrau im Einzelhandel berichtet: „Dank der guten Betreuung durch die Lehrkräfte habe ich es geschafft, die Schule neben dem Beruf zu bewältigen. Ich bin glücklich über den Abschluss, der mir neue berufliche Möglichkeiten eröffnet.“
 
Der heutige Metallbauer wurde von seinem Unternehmen, der Schlosserei Philipp Ebel + Sohn in Taunusstein motiviert, an dem Programm QualiBack teilzunehmen und bei der praktischen Prüfungsvorbereitung gezielt unterstützt. So gelang es dem Beschäftigten in nur drei Monaten seinen Fachabschluss nachzuholen. Claudia Ebel bewertet die Maßnahme: „Für unseren Betrieb bedeutete die Nachqualifizierung, auch mal auf den Mitarbeiter verzichten zu müssen, wenn der Schulbesuch anstand. Auf der anderen Seite haben wir eine Fachkraft gewonnen, was heutzutage ein schwieriges Unterfangen sein kann.
 
Von dem neuen Programm profitieren alle. Teilnehmende können flexibel und individuell ihren Berufsabschluss nachholen und werden so zur Fachkraft. Unternehmen können ihren Fachkräftebedarf aus eigenen Reihen decken. Die Berufsschule kann ihre Angebote für Betriebe auf weitere Berufe im Handel, im Handwerk und in der Industrie ausbauen.
 
Seit Januar 2015 wird der Schulversuch QualiBack durch die neuen Bildungscoaches unterstützt, die im Rahmen der Initiative ProAbschluss kleine und mittlere Unternehmen aufsuchen und deren Beschäftigte u. a. zum Thema Nachqualifizierung beraten.
 
 
Informationsbroschüre: QualiBack im Odenwaldkreis
 
 
Kontaktdaten der Bildungscoaches
 
Für den Odenwaldkreis:
Melanie Koch (Tel.: 06151-871141, E-Mail: melanie.koch@darmstadt.ihk.de).
 
Für den Rheingau-Taunus-Kreis:
Jutta Gadamer (Tel.: 06128-927782, E-Mail: gadamer@vhs-rtk.de).
 
Für die Stadt Wiesbaden:
Florentine Persin oder Ulrike Schneider (Tel.: 0611-408074-38, E-Mail: f.persin@fresko.org).
 
 
Kontaktdaten der zwei zuständigen Beruflichen Schulen
 
Berufliches Schulzentrum Odenwaldkreis (www.bso-mi.de):
R. Lang, Projektleiter (Tel.: 06061-951-0, E-Mail: sekretariat@bso-michelstadt.de).
 
Berufliche Schulen Untertaunus (www.bsutaunus.de):
M. Enders oder H.-U. Daab, Projektleitung (Tel. 06128-9266-0, E-Mail: info@bsutaunus.de).