Seit 20 Jahren gehört der deutsch-französische Austausch fest zur Tischlerausbildung am Beruflichen Schulzentrum Odenwaldkreis: Junge Handwerkerinnen und Handwerker sammeln dabei nicht nur fachliche Eindrücke, sondern erleben Europa ganz praktisch – in Werkstätten, Betrieben und im gemeinsamen Alltag. Jedes Jahr fahren die Tischler aus dem Odenwald nach Rumilly und Pont de Beauvoisin, den Partnerstädten von Michelstadt und Erbach. In der vergangenen Woche stand erneut die Partnerschaft mit Pont-de-Beauvoisin, der französischen Partnerstadt von Erbach, im Mittelpunkt. Zu Gast waren Tischler-Auszubildende der privaten Berufsschule Maison Familiale Rurale „Le Chalet“ aus Saint-André-le-Gaz (Region Isère). Nach acht Jahren Pause war es der erste Besuch der Gruppe im Odenwald.
Empfangen wurden die Gäste in Michelstadt: Schulleiter Horst Schad begrüßte die Auszubildenden, anschließend ging es in die Werkstätten. Dort bekamen die jungen Franzosen Einblicke in die Ausbildung – von Tischlerei über Drechslerei bis hin zur Elfenbeinschnitzerei – und konnten bei den Holzbildhauern selbst mitarbeiten. Ergänzt wurde das Programm durch eine Stadtführung in Michelstadt, Betriebsbesuche und Ausflüge nach Heidelberg und Frankfurt (unter anderem ins Museum für Angewandte Kunst). Den Abschluss bildete ein gemeinsames Essen in Erbach.
Besonders symbolisch: Der Frankfurt-Besuch fiel auf den 22. Januar, den Jahrestag des Élysée-Vertrags, der die deutsch-französische Zusammenarbeit seit 1963 prägt. Damit wurde deutlich, worum es bei dem Austausch seit zwei Jahrzehnten geht: berufliche Bildung mit Weitblick. Die Auszubildenden erweitern ihre fachlichen und sozialen Kompetenzen, lernen andere Arbeitsweisen kennen und erleben, wie wertvoll Partnerschaft und Verständigung im Handwerk – und darüber hinaus – sind.
Text & Fotos: Daniel Becker













