Am Freitag der vergangenen Woche wurde für die Geschichtskurse der Q4 des Beruflichen Gymnasiums Vergangenheit auf eine besondere Art lebendig. Zu Gast am BSO war ein Zeitzeuge, der Geschichte nicht nur erzählt, sondern erlebt hat. Der in der DDR geborene Dieter Thom floh im September 1962 – gut ein Jahr nach dem Bau der Berliner Mauer – nach Westdeutschland. In seinem kurzweiligen Vortrag spannte er den Bogen von seiner Jugend im Osten über seine spektakuläre Flucht bis hin zu seinem Neuanfang in der Bundesrepublik. Zu verdanken ist der Besuch der BG-Schülerin Alina Runk, die Thom als Zeitzeugen zum Thema „DDR“ gewinnen konnte.
Schulleiter Horst Schad begrüßte den inzwischen 87-Jährigen herzlich, dann hatte der Gast das Wort. Lebhaft und eindringlich schilderte Thom seinen Lebensweg und stellte sich im Anschluss den Fragen der Schülerinnen und Schüler.
Seine Kindheit und Jugend verbrachte Thom in der DDR. Während seines Studiums in Ostberlin brachte ihn eine Faschingsaktion aus Jux und Dollerei in Konflikt mit der Staatsmacht. Die Konsequenzen waren drastisch: Verweis von der Hochschule und später Flucht durch einen Tunnel nach Westberlin. Familie, Freunde, Heimat blieben zurück.
Im Westen wurde er, wie viele DDR-Flüchtlinge im Kalten Krieg, zunächst von der CIA verhört, um jeden Spionageverdacht auszuräumen. Danach begann er ein Ingenieurstudium, fing an, für die Firma Bosch zu arbeiten, und kam auf diesem Weg in den Odenwald.
Im Austausch mit der Q4 zeichnete er ein differenziertes Bild vom Alltag in der DDR. Vieles war auf den ersten Blick weniger düster, als man es sich heute vorstellt: Lebensmittel und Kleidung waren erhältlich, Reisen in begrenztem Rahmen möglich. Doch die Freiheit hatte klare Grenzen. Man konnte sich arrangieren – solange man nicht auffiel und weder Parteiideologie noch Stasi herausforderte.
Deutlich wurde Thom auch mit Blick auf die Gegenwart: Rechtspopulistische Tendenzen, so seine Warnung, könnten erneut in einen menschenverachtenden Unrechtsstaat führen. Sein Appell an die angehenden Abiturientinnen und Abiturienten blieb hängen: „Erinnert euch an gestern, bedenkt das Morgen, aber lebt heute.“
Text: Aurelio Said/Frank Obrath/Dr. Sabine Hofmann
Beitrag: Dr. Sabine Hofmann 12. Februar 2026











