Die Grafik kann leider nicht dargestellt werden!Schule einmal anders: Schüler befragen bekannte und prominente Menschen aus dem Odenwald über ihr Leben auf dem Land, was ihnen daran gefällt und was nicht. Fachlich und technisch unterstützt und begleitet werden sie dabei von einem Team des Hessischen Rundfunks, das die Ergebnisse auf der Webseite von HR2-Kultur einstellt.
Ziel des Projekts des Hessischen Rundfunks ist es, die Generationen zusammenzubringen. Bekannte Menschen erzählen in Michelstadt für „Odenwälder Köpfe“ über das Leben auf dem Land.

 

„Wir wollen Generationen zusammenbringen“, sagt dazu Matthias Decher vom HR. Der Radio-Journalist ist an diesem Morgen am Beruflichen Schulzentrum in Michelstadt, wo die Sozialpädagogin Yumala Sommer seine Ansprechpartnerin ist. Die junge Frau arbeitet als Respekt-Coach an der Schule und irgendwie passt die Aufgabenstellung auch auf dieses Projekt. Die jungen Leute sind begeistert bei der Sache und erzählen stolz, wen sie bereits interviewt haben. Da fallen Namen wie Helmut Geidel, der frühere Eintracht-Torhüter Oka Nikolov, der Erbacher Neurologe Gerhard Bittenbring, die Steinbacher Künstlerin Gabriele von Lutzau und der Erbacher Unternehmer Stephan Koziol. Noch nicht zu Wort gekommen sind die Hebamme Christine Mendle oder Hylia Sauer, die in Erbach einen Obst- und Gemüseladen betreibt. Heute sind es angehende Sozialassistenten, die das Mikrofon bedienen und die Fragen stellen dürfen.

 

Das Projekt mit der Bezeichnung „Odenwälder Köpfe“ ist eine Idee eines Reporterteams um die Literaturland-Reporterin Christiane Kreiner, das auch schon an der Ernst-Göbel-Schule Höchst und an der benachbarten Theodor-Litt-Schule Schüler bei ihren Interviews angeleitet hat. Dazu Kreiner: „Bei dem Projekt interviewen Schüler fürs Radio über 20 Personen, die sie selbst ausgesucht haben, über ihre persönliche Geschichte und ihre Verbindung zum Odenwald. Wir wollen Geschichten von Eingewanderten genauso hören wie die von Eingesessenen.“

 

Eine der „Zugezogenen“, wie die Odenwälder Neubürger mitunter deren Leben lang bezeichnen, ist Yvonne Niebsch, Leiterin der Jugendwerkstätten Odenwald mit Sitz in Erbach. Sie hat die Kontakte an die Odenwälder Schulen vermittelt. Vor 30 Jahren ist die gebürtige Berlinerin im Odenwald sesshaft geworden. Längst sind die eigenen Kinder aus dem Haus und in dem ehemaligen Bauernhaus, in dem sie mit ihrem Mann lebt, ist Ruhe eingekehrt. Was sie am Odenwald schätzt, will Nihat Celiköz (18) aus Höchst von ihr wissen. „Hier ist es einfach toll, alt werden zu dürfen. Ich habe bereits ein abwechslungsreiches Leben genießen können“, fasst die Befragte zusammen, ohne auszusparen, dass ihr Freundeskreis fast nur aus ebenfalls Wahl-Odenwäldern besteht. „Was macht den Unterschied zu den eigentlichen Odenwäldern?“, lautet die nächste Frage. „Die Offenheit vermisse ich schon etwas“, schickt sie einigen kleinen Begegnungen voraus.

 

Die Schüler hören ihr interessiert zu und vernehmen nicht nur am Dialekt, wie eine „Berliner Schnauze“ klingt. Sie bittet, nicht missverstanden zu werden: Von der Hektik einer Großstadt wie Berlin will sie nichts mehr wissen. Ihr Zuhause ist hier.

 

Auf andere Weise integriert im Odenwald fühlt sich ihr junger Interviewpartner: „In Frankfurt wird dir als Ausländer skeptisch begegnet, hier fühle ich mich sehr wohl und will nicht woanders leben.“ Manuel Löb (24) kommt aus Steinbach. Interviews führen „ist anstrengender als gedacht“, aber die Geschichten, die er aufzeichnen darf, entschädigen den jungen Mann dafür. An diesem Vormittag darf er sich Techniker nennen.

 

Der nächste Interviewpartner ist Reinhold Ruhr. Jetzt stellt der 18 Jahre alte Zana Erdogan aus Lützelbach die Fragen. Von Akzent keine Spur. Der junge Mann mit kurdischen Wurzeln ist im Odenwald geboren. Alle am Tisch staunen: Von Ruhr erfahren sie, dass er nicht nur 30 Jahre lang in Michelstadt Bürgermeister war. Davor übte er diesen Job bereits in Gras-Ellenbach aus. Und dies zu Beginn im Alter von 27 Jahren. Kann man noch mehr Odenwälder sein? Zur Überraschung: Kindheit und Jugend verbrachte Ruhr im Offenbacher Stadtteil Bieber.

 

Die „Odenwälder Köpfe“ werden Ende Februar auf der Webseite von HR 2-Kultur unter der Rubrik „Raus aufs Land“ veröffentlicht.

 

Text & Foto: Manfred Giebenhain
Quelle: https://www.echo-online.de/lokales/odenwaldkreis/michelstadt/schuler-befragen-odenwalder-und-zugezogene_19903903 (21.01.2019)
Beitrag: Kevin Sommer am 21.01.2019