Insgesamt vier Wochen waren Marcella Cemus und Muhammad Satrio, die beide am BSO eine Ausbildung zum Holzbildhauer absolvieren, im japanischen Inami zu Gast. Der Ort ist bekannt als Ausbildungsstätte für die traditionelle japanische Holzschnitzkunst (Inami Chōkoku, 井波彫 刻). Marcella und Muhammad konnten eine der Werkstätten besuchen und wurden zusammen mit japanischen Auszubildenden in den anspruchsvollen Schnitztechniken der Inami-Tradition unterwiesen.
Ermöglicht wurde ihr Aufenthalt unter anderem durch die finanzielle Unterstützung durch das Förderprogramm Erasmus+. Im Interview berichten sie von ihren Erfahrungen.
Wie sind Sie auf Inami und seine besondere Schnitzkunst gekommen?
Marcella: Durch einen Deutschen namens Asaya (Georg Weitz), der in Inami eine Ausbildung zum Holzbildhauer macht und auf Instagram Videos darüber hochlädt.
Muhammad: Letztes Jahr bin ich auf ein Werbeplakat für einen Workshop über traditionelle japanische Holzschnitzkunst aufmerksam geworden, den Asaya in mehreren Städten in Deutschland veranstaltete. Ich habe mich daraufhin für den Workshop angemeldet und mich anschließend mit ihm ausführlicher über meine große Begeisterung und mein starkes Interesse an der japanischen Holzbildhauerei ausgetauscht. Dadurch erfuhr ich mehr über Inami und bekam schließlich die Möglichkeit, die dortige Holzbildhauerei selbst kennenzulernen.
Was haben Sie dort gemacht?
Muhammad: Während meines ersten Praktikums habe ich bei Meister Tsuchida-san gearbeitet und ein dreidimensionales Relief mit einem Vogelmotiv angefertigt. Die restlichen zwei Wochen verbrachte ich bei Meister Hakuun-san, wo ich mich ausschließlich mit dem traditionellen Schärfen der Meißel ohne Maschinen beschäftigt habe. Bei meinem zweiten Praktikum, das ich gemeinsam mit Marcella absolviert habe, konnte ich wieder bei Meister Hakuun-san arbeiten und habe eine Blume geschnitzt.
Marcella: Ich bin bei zwei Meistern gewesen. Drei Wochen bei Meister Ishihara-san, dort habe ich einen traditionellen japanischen Löwenkopf geschnitzt. Eine weitere Woche durfte ich bei Meister Nonaka-san lernen und habe dort eine Katzenfigur hergestellt.
Marcella: Wir haben gelernt, wie man Schnitzeisen auf traditionelle Weise, ohne Maschine schärft, wie man mehrere Elemente miteinander verbinden kann und auch, wie kompliziertere Formen umgesetzt werden können.
Was hat Sie besonders beeindruckt?
Muhammad: In der Ausbildung hat uns die Präzision im Umgang mit dem Material besonders beeindruckt. Die Meister haben sich Zeit genommen, jede Frage bestmöglich zu beantworten oder die Schritte beim Schnitzen zu zeigen und zu erklären.
Marcella: In Japan waren wir beeindruckt von der vielfältigen Natur, genauso wie von der Kultur, die das Land zu bieten hat. Obwohl Inami als sehr ruhiges und kleines Dorf gilt, ist es reich an Angeboten und schönen Orten.
Was haben Sie für Ihre eigene Ausbildung und Ihre eigene Entwicklung mitgenommen?
Marcella: Wir haben durch die intensive Schnitzzeit von neun Stunden pro Tag unsere Schnitzfähigkeiten weiter ausgebaut und können nun zielgerichteter unsere Schnitzprojekte angehen.
Wo haben Sie gewohnt?
Marcella: Wir haben in einem Sharehouse, also so etwas wie einer WG, gewohnt. Das ist dieselbe Unterkunft, in der Asaya auch wohnt. Zum Zeitpunkt unseres Aufenthaltes waren wir dort zu dritt, also Marcella, Muhammad und eine weitere durch Erasmus geförderte Studentin.
Was raten Sie anderen Schülerinnen oder Schülern, die dorthin fahren?
Muhammad: Lehn dich ein bisschen zurück und beobachte die Kultur aufmerksam. Sei offen für die Kultur und die neuen Erfahrungen. Trau dich, den Meistern alle Fragen zu stellen. Die meisten Menschen können nur wenig bis gar kein Englisch. Die meiste Kommunikation findet über Google Translate oder mit basic english statt.
Herzlichen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!
Fotos: Marcella Cemus und Muhammad Sartrio
Interview und Beitrag: Dr. Sabine Hofmann am 9. September 2026













